Aesthetic Politics in Fashion – Positionen zwischen Mode, Kunst und Design

Als Ausblick des »MQ Summer of Fashion« veranstaltete der
Fachbereich für Moden und Styles der Akademie der Bildenden Künste
Wien am 12. und 13. Oktober 2012 ein internationales Symposium
mit dem Titel »Aesthetic Politics in Fashion. Positionen zwischen Mode,
Kunst und Design«.
Im Zentrum stand die Auseinandersetzung mit Mode als kulturelles
Phänomen an der Schnittstelle unterschiedlicher künstlerischer,
gestalterischer, ökonomischer und alltagskultureller Praktiken. Die
Beiträge analysieren Grenzziehungen und Überschneidungen,
Hierarchisierungen und Positionierungen von Moden, Künsten und
Styles in ihren jeweiligen Kontexten, materiellen Konstitutionen und
symbolischen Verwirklichungen. Deren Ästhetiken, Ökonomien und
Politiken werden aus verschiedenen Disziplinen heraus beleuchtet:
Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Soziologie, Design- und
Modeforschung.

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Mallarmés Täuschungsmanöver: Die Zeitschrift La dernière mode als Spiegelbild zeitlicher, territorialer und finanzwirtschaftlicher Ökonomien der Mode

Birke Sturm

Audiobeitrag

Zwischen September und Dezember 1874 widmete sich der Dichter
und Literat Stéphane Mallarmé (1842-1892) der Herausgabe des
Modemagazins La dernière mode. Rein äußerlich ist die Zeitschrift
von anderen sich damals in Umlauf befindenden Magazinen kaum
zu unterscheiden und sie kann sowohl was Aufmachung als auch
Inhalt betrifft durchaus als exemplarisch angesehen werden. Die
verschiedenen Autor_innen beschreiben darin innovative, sich
verändernde und gegenseitig ablösende Kleidungsstile, um sich
gleichzeitig einem darüber hinausgehenden repräsentativen Lebensstil
zu widmen, der sich über Einrichtung, Mahlzeiten, öffentliche
Vergnügungen und Bildungsmöglichkeiten erstreckt.
Gerade hierin liegt nun jedoch Mallarmés großes Täuschungsmanöver:
Keineswegs nämlich war er nur Herausgeber der Zeitschrift –
vielmehr steckte seine Feder hinter beinahe der gesamten Vielzahl
an Darstellungen des modernen Lebens, ebenso wie den Namen der
Autor_innen, welche Pseudonyme für niemand geringeren als Mallarmé
selbst waren. Die Zeitschrift zeugt daher von intensivster Beschäftigung
mit dem breiten Strom an schnellen Eindrücken, der durch die Mode
geschaffen wurde. La dernière mode zeigt die Vorstellung des Künstlers
von Modernität, jedoch nicht auf theoretisierende Weise, wie man
dies z.B. von Baudelaire kennt. Vielmehr wird ein analysierend-
affimierendes Spiegelbild geschaffen von Mode im Rahmen moderner
Kultur, welches in Form der Zeitschrift als reflexives Medium wiederum
selbst Teil der modernen Kultur werden sollte.
Im Rahmen dessen nehmen Ökonomien der Mode einen großen
Stellenwert in Mallarmés Zeitschrift ein. Ziel meines Vortrages ist es
zu beleuchten, wie sich insbesondere zeitliche, territoriale sowie
finanzwirtschaftliche Ökonomien – damals bereits allesamt bedeutend
für die Modeindustrie – in Mallarmés Projekt deutlich manifestierten
und darin reflektiert werden.

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Andys Erbe. Über das Verhältnis von Mode und Kunst am Beispiel der Künstlerkollaborationen des Luxuslabels Louis Vuitton

Monica Titton

Gegenstand dieses Vortrags ist die Kooperation zwischen bildenden
Künstler_innen und Modeschöpfer_innen an einem gemeinsamen
Produkt, das an der Schnittstelle zwischen Kunst und Mode angesiedelt
werden kann. Ausgangspunkt für die kunstsoziologische Analyse ist
die fallspezifische Rekonstruktion der Zusammenarbeit des Luxuslabels
Louis Vuitton mit den Künstlern Takashi Murakami und Richard Prince,
die in den Jahren zwischen 2003 und 2008 gemeinsam mit Vuittons
Chefdesigner Marc Jacobs Handtaschenkollektionen in limitierter
Stückzahl gestalteten.
Zum einen werden diese Kooperationen als Ausdruck einer
unternehmerischen Strategie verstanden, die Profitsteigerung durch die
Übertragung von künstlerischem Prestige auf Mode erzielt.
Zum anderen wird der Zusammenhang zwischen den Kollaborationen
mit Vuitton und den künstlerischen Praktiken von Murakami und Prince,
sowie ihren Positionierungen zur Kommerzialisierung ihrer Arbeit und
ihrem Selbstverständnis als Künstler nachgezeichnet. Dieser wird vor
dem Hintergrund der Umstrukturierungen analysiert, die das Feld der
Kunst seit den 1960er Jahren durch die Pop Art erfahren hat.

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It’s all about the Image – Die Zusammenarbeit von Modeindustrie und Celebrities seit den 1980er Jahren

Endora Samantha Comer-Arldt

Am 14. Februar 2010 gab die New York Times im Rahmen der
New York Fashion Week mit dem Artikel »Muscling In on the Front
Row« bekannt, dass sich Designer keine Stars (Celebrities) für den
Besuch ihrer Modeschauen mehr leisten können. Bei den Fashion
Shows ging es schon längst nicht mehr um die aktuelle Mode,
sondern darum, welcher Designer welchen Celebrity präsentiert. Je
berühmter und bekannter das Gesicht eines Celebrities bei der Show,
desto aussagekräftiger und begehrenswerter erscheint das jeweilige
Modelabel. Celebrities bauen das Image der Modeindustrie mit auf.
Dieses Wissen hat sich in den letzten dreißig Jahren zu einem eigenen
Geschäftsbereich entwickelt. Systematisch begann die Modeindustrie
Celebrities als Marketing Tools zu nutzen. In meinem Vortrag werde
ich die Beziehung zwischen Modeindustrie und Celebrities untersuchen
und aufzeigen inwieweit sich die Beziehung zu einem gegenseitigen
Marketinginstrument entwickelt hat.
Ausgangspunkt ist hierbei, aufzuzeigen, dass es sich bei
Zusammenarbeit um einen bioökonomischen Produktionsprozess
in Form von immaterieller Arbeit handelt. Celebrities nutzen ihren
Körper, um Kapital aus ihrem »Sein« zu schöpfen, sie treten als
»unternehmerisches Selbst« innerhalb des Produktionsprozesses auf.
Die Modeindustrie wiederum nutzt diese Form der immateriellen Arbeit,
um ihr Image zu fördern, welches sich letztlich im Return of Investment
widerspiegelt.

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Digital Antibodies? Modepräsentationen im digitalen Zeitalter

Sabina Muriale

Audiobeitrag

SHOWstudio: Gareth Pugh Autumn/Winter 2009 by Ruth Hogben

Gareth Pugh Spring/Summer by Ruth Hogben 2011

MUGLER Spring/Summer 2012 Runway Show feat. exclusive Lady Gaga Film & Music

Jean-Charles de Castelbajac Spring/Summer 3001

Immer mehr Modefirmen nutzen die Möglichkeiten des Fashion Films
und integrieren digitale Videos gezielt als Kommunikationsstrategie in
ihren Präsentationen. Sei es begleitend zur traditionellen Modenschau
oder als Ersatz für diese. Doch warum das Medium Film?
Nick Night – Mitbegründer der Fashion Film Plattform SHOWstudio –
meint dazu, dass Mode und Film wie selbstverständlich
zusammenarbeiten, da die Kleidung von sich aus eine stark visuelle
Wirkkraft hat und noch dazu extra für Formgebung und Bewegung
designed wurde. Somit gleitet Kleidung auf sicheren Schienen, wenn
sie das bewegte Bild aka Film für sich als Kommunikationsmittel nutzt.
Die textile Vision der Modedesigner_innen überträgt sich wie von selbst
über den Film hin zum Publikum, bzw. zu den Konsument_innen, und
im Zeitalter der digitalen Kultur lässt sich ein Film über das Internet
zeitgleich sowie weltweit übertragen.
Ein blitzschnelles Marketing-Tool mit beträchtlicher Reichweite.
Der Londoner Gareth Pugh gehört zu den Designer_innen, der den
Fashion Film als neue Kommunikationsform konsequent in seine
Präsentationen einbaut und an dessen Beispiel ich meine Thesen zu
diesem Präsentationsmedium aufbauen möchte.
Inwieweit der Fashion Film wirklich das geeignete Medium ist, um
textile Beschaffenheit, menschliche Silhouette und das Image eines
Labels zu präsentieren, und ob das althergebrachte Format des
traditionellen Catwalks ausgedient hat, möchte ich nach meinem
Vortrag zur Diskussion stellen. Denn der Fashion Film als nicht mehr
ganz so neuestes, aber immer noch in der Entwicklung stehendes
Marketing-Tool, ist und bleibt in seiner Anwendung und Rezeption
(verführerisch) ambivalent.

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Die Produktion von Modenschauräumen durch Rahmungen am Beispiel der Show von Michael Michalsky H/W 2009 »Saints and Sinners«

Alicia Kühl

Show von Michael Michalsky H/W 2009 »Saints and Sinners«

Für die Aufführung von Modenschauen ist die Wahl bestehender oder
die Konstruktion neuer Räume sowie ihre Gestaltung essentiell – dem
gegenüber steht der ephemere Charakter des Modenschauraums als
Ergebnis dieser monatelangen Vorbereitung.
In diesem Tagungsbeitrag soll ein Blick darauf geworfen werden, was
es bedeutet, Mode mit Raum zu umrahmen, welche Möglichkeiten
der Rahmungen und Grenzziehungen es bei einer Modenschau
geben kann und wie auf diese Weise für die Modenschau arteigene
Räume, sog. Modenschauräume, entstehen. Mit der Beantwortung
dieser Fragen soll die These überprüft werden, dass solche
»Rahmungsstrategien« für die Generierung von (modischer) Neuheit
ausschlaggebend sind. Beitragsleitend ist die Modenschau von Michael
Michalsky H/W 2009, die in der Zionskirche Berlin aufgeführt

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Gesellschaft im Konjunktiv: Die Unbotmäßigkeit der Mode

Michael R. Müller

Audiobeitrag

Dass ästhetisches Handeln nicht nur eine bunt schillernde
Begleiterscheinung des gesellschaftlichen Lebens ist, haben unter
anderem Georg Simmel und Pierre Bourdieu in ihren »soziologischen
Ästhetiken« eindrucksvoll geschildert. Ob in Kunst oder Mode, ob
zu repräsentativen Anlässen oder im Alltag, ästhetisches Handeln
ist immer auch eine grundlegende Ausdrucks- und Vollzugsform
gesellschaftlichen Lebens und seiner Ordnung. Simmels und Bourdieus
Perspektive aufnehmend und variierend, widmet sich der Vortrag einer
besonderen Form ästhetischen Handelns: der gezielten Überschreitung
sozialer und sittlicher Grenzen in Mode und Kunst. Dem Verständnis
von Mode als textiler Manifestation gesellschaftlicher Ordnung wird die
Auffassung von Mode/Kunst als einem gesellschaftlich organisierten
Ort der symbolischen Verkehrung, Auflösung und Umformung der
bestehenden Ordnung entgegengesetzt. Dass sich die moderne
Mode in bisweilen markanter Distanz zum Alltagsleben bewegt, ist
also kein Hinweis auf ihr Entschwinden in mediale Scheinwelten,
sondern geradezu Bedingung dafür, das bis dato Undenkbare und
Unvorstellbare ästhetisch erfahrbar zu machen.

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